Südtirol und das Web 2.0
Hans-Peter vom kronplatz.ch Blog hat die Frage aufgeworfen, ob Südtirol web 2.0 fähig ist.
Dies ist eine sehr interessante Frage, welche ich mir auch schon öfter gestellt habe und deswegen hier noch ein wenig ausarbeiten möchte. Kernthema dieser Frage ist aber eigentlich, ob Anonymität für web 2.0 Voraussetzung ist. Diese stellt nämlich eines der Hauptprobleme dar, mit welchem nicht nur Südtiroler Web 2.0 Seiten zu kämpfen haben.
Anonyme Kommentare zu Artikeln und in Blogs stellen Moderatoren von Blogs oft vor große Herausforderungen. Nach dem Urteil des Hamburger Landesgerichts im Fall Callactive gegen Niggemeier, welches den Blogger Niggemeier abstraft, da ein unzulässiger und für Callactive schädlicher Kommentar zu einem Blog-Artikel von 3.37 Uhr morgens bis 11.06 Uhr vormittags online war bevor er vom Blogger unaufgefordert gelöscht wurde, hat die SZ beschlossen, dass Kommentare zu den Artikeln nun nur mehr zu „Bürozeiten“ also Montag bis Freitag von 8 – 19 Uhr möglich sind.
Anonymität ist keine Voraussetzung für Web 2.0, steigert aber die Spontaneität und die Hemmschwelle der Besucher einer Seite. Eine Web 2.0 Seite ist sinngemäß von den Beiträgen der Besucher abhängig. Dies funktioniert normalerweise ab einer bestimmten kritischen Masse an Besuchern. Ist diese nicht gegeben, dümpelt die Seite vor sich hin. Die Interaktion oder die Anregung zur Interaktion fehlt. Man macht mit, weil andere mitmachen oder weil man sich durch die Kommentare anderer zur Stellungnahmen aufgefordert fühlt.
Die Möglichkeit einer anonymen Stellungnahme auf der Seite senkt diese kritische Masse um einen wichtigen Faktor. Internetseiten wie Gazzetta.it erreichen diese kritische Masse auch mit der Pflicht zur Anmeldung auf der Seite, bei anderen Seiten, wie z.B. unserem Hockeyblog Bodycheck wäre eine Anmeldung aber ein kritischer Faktor, der die Seite wahrscheinlich am „funktionieren“ hindern würde. Und genauso läuft der Hase bei vielen anderen Südtiroler Portalen, die nach der Idee des Web 2.0 entstanden sind und noch kein Millionenpublikum aufweisen können.
Ein vielleicht noch größeres Problem stellen aber die anonymen Blogs dar, auf welches ich hier aber nicht näher eingehen möchte, da es meines Erachtens eine andere (eigene) Baustelle ist und in Italien eigentlich nicht existiert…
Die Lust, etwas kaputt zu machen und Schaden anzurichten, also sogenannte Vandalenakte, sieht man in kleinerem wie auch größerem Ausmaß online wie offline und sie gehören leider heute zum Alltag. Aber genauso wie deshalb niemand unsere Zivilisation in Gefahr sieht, sollte man in Südtirol auch das Web 2.0 nicht in Gefahr sehen. Man muss nur aufpassen, dass dieses Phänomen nicht überhand gewinnt und das Spielzeug nicht wirklich kaputt macht. Aber online genauso wie offline ist hier Geduld und Konsequenz gefragt, besonders bei den Moderatoren, aber auch bei den Verantwortlichen. Wie viel hängt von der Zielgruppe des jeweiligen Portals bzw. deren Niveau ab.
Ist Südtirol also Web 2.0 fähig?
Ich würde sagen, nicht weniger als der Rest der Welt… und hoffe, nicht eines besseren belehrt zu werden!
Montag, 22. September 2008 12:59
[...] Südtirol Web 2.0 fähig? Das fragte vor einiger Zeit mal Hanspeda und wurde hier auch schon mal durchgekaut. Nun gibt es einen weiteren Versuch, der in dieser Woche noch startet. Die Herausforderung ist [...]